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Ursula K. Le Guin - Planet der Habenichtse
Max Barry - Logoland
Jewgenji Samjatin - Wir
Myra Cakan - When the music's over
Marge Piercy - Er, Sie und Es
Klaus N. Frick - Whiskey mit Neumann
Nadja Niedermair - Du bist so herrlich skrupellos,
Bianca!
| Ursula
K. Le Guin - Planet der Habenichtse ( ?
€, Heyne, ISBN: 3-453-07433-5) |
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In diesem Buch geht es im Wesentlichen um zwei Planeten,
auf denen zwei völlig verschiedene politische/gesellschaftliche
Systeme existieren; ein anarchistisches und ein kapitalistisches.
Nach der Niederschlagung eines Anarchistenaufstandes auf Urras
vor 150 Jahren wurden die Revolutionäre auf den wüstenähnlichen
Mond Anarres geschickt, wo sie in Ruhe ihr anarcho-syndikalistisches
System aufbauen konnten. Es existieren keine Hierarchien,
kein Geld, kein Besitz und keine traditionellen Familienstrukturen
(für das alles gibt es in der eigens geschaffenen Sprache
noch nicht einmal Wörter), alles wird geteilt und jeder
kann nach seinen eigenen Interessen arbeiten und leben. Zur
"Heimatwelt" bestehen nur streng reglementierte
Handelsbeziehungen (Maschinen und Saatgut gegen die Edelmetallvorkommen
auf Anarres). Tja, und da eine reine Gesellschaftsbeschreibung
ja langweilig wäre (is ja schliesslich ein Roman), gibt
es natürlich auch eine Hauptfigur, den Physiker Shevek.
Der, von Kindheit an schon eher ein Einzelgänger (in
einer Gesellschaft, für die die Gemeinschaft die Lebensgrundlage
darstellt, schon eher ungewöhnlich), entwickelt sich
bald zu einem herausragenden Physiker, dem auf seiner Welt
intellektuell eigentlich niemand gewachsen ist. Sein Lehrer
vom Naturwissenschaftssyndikat stellt daher für ihn den
Kontakt zu Physikern auf Urras her, mit denen er Briefe auf
wissenschaftlicher Ebene auszutauschen beginnt. Doch bald
erkennt er, dass es auch in seiner Gesellschaft verdeckte
Machtstrukturen gibt: ohne Zustimmung seines Lehrers, der
gute Beziehungen zum PDK (Produktions - und Distributionskoordination,
eigentlich ein Verwaltungssyndikat) hat, erhält er keine
Möglichkeit, seine Texte zu veröffentlichen oder
einen Lehrauftrag zu übernehmen. Schließlich kann
er durchsetzen, nach Urras zu fliegen, in der Hoffnung, dort
zu arbeiten, zu lehren und seine wissenschaftlichen Ergebnisse
mit allen anderen zu teilen. Zwar ist er verwirrt von den
für ihn fremdartigen Strukturen (mehrere, sich bekämpfende
Staaten; Frauen, die offenbar "Besitz" von Männern
sind; alles dreht sich nur um Macht und Geld), aber Shevek
ist auch begeistert von dem Reichtum des Planeten, er sieht
zum ersten mal in seinem Leben grüne Wiesen, Laubbäume
und Tiere und wird von allen frundlich empfangen. Doch bald
muss er erkennen, dass die dortige Regierung ihn nicht nur
zum wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Austausch
eingeladen hat, sondern ganz eigene Interessen mit ihm verfolgt.
Das ganze Buch hindurch werden die beiden Welten durch die
Kapitelaufteilung sich gegenübergestellt (also ein Kapitel
spielt auf Anarres, das nächste auf Urras usw) und so
das ganze Leben von Shevek erzählt. Zu erwähnen
ist auch noch, dass der Roman in den 70ern geschrieben wurde,
also mitten im kalten Krieg, was man an der Beschreibung von
Urras ganz deutlich erkennen kann. Die zwei Weltmächte
heissen hierr nur nicht USA und UDSSR, sondern A-Io und Thu,
aber ansonsten sind die Ähnlichkeiten sicher nicht rein
zufällig.
Fazit: Als "Einführung in den Anarchismis"
sicher unterhaltsamer als Kropotkin, aber auch sonst lesenswert!
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| Max
Barry - Logoland
(12,- €, Heyne,
ISBN: 3-453-86947-8) |
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Die USA erstrecken sich über den ganzen Nord- und Südamerikanischen
Kontinent; Australien, Indien, Thailand, Südafrika und einige
andere ehemaligen Staaten gehören ebenfalls dazu. Es herrscht
der totale Kapitalismus, sogar Polizei und Regierung sind
privatisiert. Jeder Mensch trägt als Nachnamen den Namen der
Firma, für die er arbeitet, Arbeitslose haben keinen Nachnamen.
Ach ja, Europa ist übrigens "sozialistisch",
d.h. es gibt noch Steuern, Arbeitslosengeld und Wahlen.
Zu Beginn bekommt Hack Nike (dreimal raten, für welche Firma
er arbeitet), Mitarbeiter in der Verkaufsabteilung, durch
Zufall von zwei Männern vom Marketing einen Job angeboten.
Er muss einen Vertrag unterzeichnen, ohne ihn vorher zu lesen,
woraufhin es sich herausstellt, dass er für einen neuen Turnschuh
willkürlich 10 Käufer solcher Schuhe erschiessen muss, um
diesen Schuh bekannter zu machen und dessen Absatzzahlen zu
steigern. Den Vertrag zu brechen würde eine hohe Vertragsstrafe
nach sich ziehen, also geht er zur Polizei; die verspricht,
für 130 000 Dollar den Job zu übernehmen. Doch die Polizei
gibt den Mordauftrag an einen Subunternehmer weiter, die Firma
Nike erfährt davon, und so wird Hack von der Marketingabteilung
gejagt. Schließlich hat auch die Regierung Wind von der Sache
bekommen, doch ohne finanzielle Mittel wird es für die Regierungsagentin
Jennifer Gouvernment schwierig, den Fall zu verfolgen. Denn
die Regierung ist ja nur zur Verhütung von Straftaten verantwortlich,
für die Verfolgung eines Mörders müssen die Angehörigen des
Opfers zahlen, wenn die denn den Betrag aufbringen können.
Fazit: Spannender und sarkastischer Globalisierungsthriller
aus einer Welt, die nur auf den ersten Blick von der heutigen
meilenweit entfernt zu sein scheint. Tipp!
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| Jewgenij
Samjatin - Wir (8,90
€ Kiepenheuer & Witsch ISBN: 3-462-01607-5) |
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Eigentlich sollte dieses Buch unter Klassikern
stehen. Denn erstens ist es uralt (von 1920), zweitens haben
sowohl Orwell ("1984") und Huxley ("Schöne neue Welt") dort
einige ihrer Ideen geklaut und drittens ist es einfach gut.
Ebenso wie in "1984" wird hier ein totalitärer Staat irgendwann
in der Zukunft beschrieben. Die Menschen leben in einer gläsernen
Stadt, dem "Einzigen Staat", die Mathematik fungiert als eine
Art Staatsreligion, alles ist nach mathematischen Grundsätzen
geregelt: Die Arbeit, die Freizeit, die Liebe. Sexuelle Beziehungen
werden mit einem "Abonnementverfahren" geregelt, jeder kann
jeden für bestimmte, für ihn (oder sie natürlich - für 1920
doch recht fortschrittlich!) festgelegte Zeiten abonnieren.
Als große Literatur gilt "Der Eisenbahnfahrplan", ein Relikt
aus grauer Vorzeit, Freizeitaktivitäten sind z.B. geordnete
Massenspaziergänge zu Marschmusik. Solch ein streng geordnetes
Leben führt auch die Hauptfigur D-503, bis er eines Tages
die weibliche Nummer I-330 kennenlernt, die ihn dazu bringt,
an der bestehenden Ordnung zu zweifeln. Und schließlich gibt
es auch noch eine Welt ausserhalb der Stadtmauern...
Fazit: Jeder, der sich für intelligente, utopische Romane
interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben. Alle anderen
übrigens auch!
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| Myra
Cakan - When the music's over (?,
Argument Verlag, ISBN: 3-88619-945-2) |
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Die Welt ist durch Umweltkatastrophen und Kriege ziemlich
im Arsch. Das Internet ist zusammengebrochen, Holland existiert
seit der letzten großen Flut nicht mehr, London ist radioaktiv
verseucht und die Kapverdischen Inseln wurden durch einen
Computerfehler im Verteidigungssystem Somalias versehentlich
gesprengt. Und durch die Ankunft der Vierfinger, Außerirdische,
von denen niemand weiß, was sie auf der Erde eigentlich wollen
(außer mit extraterrestrischen Drogen zu handeln), wurde die
Situation auch nicht gerade besser. Die Hauptfiguren sind
eine Touristin aus Grönland, die Mitglieder einer terroristischen
Kinder-Bande aus Berlin, der Gitarrist einer abgehalfterten
Rockband, ein Science-Fiction-Autor, ein Fernsehteam, ein
jugendlicher Hacker und noch einige andere durchgeknallte
Gestalten, die alle ums Überleben und auf die eine oder andere
Weise gegen die Aliens kämpfen. Ach ja, es kommen auch ein
paar Neo-Punks auf Drogen vor...
Fazit: Spannendes und witziges Endzeitszenario, auf jeden
Fall lesenswert. Natürlich sollte man auch nicht zu viel erwarten,
ist halt irgendwie schon die klassische "Gut-gegen-Böse-Story".
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| Marge
Piercy - Er, Sie und Es (15,- €, Argument
Verlag, ISBN: 3-88619-936-3) |
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Und noch ein Buch aus der Social-Fantasies-Reihe vom Argument
Verlag.
Das Buch spielt in Nordamerika, irgendwann in der Zukunft.
Großkonzerne haben die Welt unter sich aufgeteilt, nur
einige sogenannte "freie Städte" konnten sich
ihre Unabhängigkeit erhalten. Auch die Cybertechnikerin
Shira arbeitet für einen solchen Konzern, bis sie durch
diesen Konzern das Sorgerecht für ihren Sohn an ihren
Ex-Mann verliert. Daraufhin kehrt sie zurück in die freie
Stadt Tikva, in der sie bei ihrer Großmutter aufgewachsen
ist, wo ihr ein Job angeboten wurde. Erst als sie dort angekommen
ist, erfährt sie, dass ihr neuer Job darin besteht, Jod,
einem Cyborg, menschliches Verhalten beizubringen. Doch Jod
wird schnell menschlicher als erwartet, was von seinem Entwickler
nicht unbedingt positiv aufgefasst wird, da er eigentlich
in erster Linie als "Verteidigungsmaschine" für
die bedrohte Stadt gedacht war. Plötzlich taucht auch
noch Shiras Mutter auf, die offensichtlich keine harmlose
Konzernangestellte ist, wie Shira immer gedacht hatte.
Eingestreut in die eigentliche Handlung wird noch die Geschichte
eines Rabbi im 16. Jahrhundert, der einen Golem (Gestalt
aus der jüdischen Mystik) schuf, um die Prager Juden
vor den Übergriffen der Christen zu schützen.
Insgesamt geht es in dem Buch um die Fragen, wann und ob eine
Maschine zum Menschen werden kann und wie dann der Begriff
"Geschlecht" eigentlich definiert wird.
Fazit: Spannender Science-Fiction-Roman der der anspruchsvollen
Art.
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| Klaus
N. Frick - Whiskey mit Neumann (ca.
9,- €, Tilsner, ISBN: 3-933773-81-4) |
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Das Buch ist eine Art "Best-of-Auskopplung" mit Geschichten
aus 34 Ausgaben vom "Enpunkt" (siehe Reviews - Fanzines);
lustige, nachdenkliche und skurrile Geschichten aus dem Leben
des Klaus N. Frick, teilweise von seinen zahlreichen Reisen
in diverse afrikanische Länder.
Es geht u.a. um: Saufen mit Prolls in der Dorfdisko und mit
Punx auf dem Dorffest, Busfahren in Togo und in Miami, Weihnachten
in der Sahara, die erste Liebe in der Tanzschule und um gestörte
Leute, die man so in der Bahn, auf der Strasse oder sonstwo
treffen kann. Die einzige Geschichte, die nicht ganz zu den
anderen passt, ist die letzte, in der es um die erotische
Beziehung eines Mannes zu einer Parkuhr geht. Ja, ihr habt
richtig gelesen, erotische Beziehung. Ich hoffe für Klaus,
dass diese Geschichte wirklich nicht autobiographisch ist...
Liebevoll aufgemachtes Buch (oder doch eher Werbebroschüre
für's Enpunkt? :-)) mit vielen Fotos, Nach- und Vorwort vom
Autor.
Fazit: Wer eh schon sämtliche Ausgaben des Enpunkt zu
Hause hat, muss sich das Buch nicht unbedingt zulegen, für
alle anderen hier eine Kaufempfehlung: Kaufen!
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| Nadja
Niedermair - Du bist so herrlich skrupellos, Bianca (?,
ich hab's vom Wühltisch, Ullstein, ISBN: 3-548-24232-4) |
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Selten ein Buch mit einem so dämlichen Titel gelesen! Wenn
man davon absieht, ist es aber wirklich gut!
Also, die Hauptfigur ist Bianca, Tochter des österreichischen
Innenministers, deren Familie (gelinde gesagt) völlig gestört
ist; so verspeist man gerne ab und zu einen zu Gulasch verarbeiteten
Staatssekretär, der zu viel über den korrupten Vater wusste.
Das Buch beginnt an dem Tag, an dem der Vater wegen Unterschlagung
öffentlicher Gelder verhaftete wird, ihre Mutter von ihrer
Freundin (der Hausangestellten) verlassen worden ist, ihre
Schwester (Pornodarstellerin) gerade einen Film dreht und
sie also niemand ausser dem Chauffeur ihres Vaters zu ihrer
dritten Abtreibung und danach auf eine Party fahren kann (sie
ist erst 16 und darf nicht selber fahren). Blöderweise verliebt
sich Bianca am gleichen Abend in einen Moralphilosophen, was
natürlich die absolute Katastrophe ist: Sowohl Liebe als auch
Moral schränken nach Ansicht ihrer Familie die persönliche
Freiheit unangemessen ein, also muss sie mit der Situation
allein zurechtkommen. Daraufhin wird sie einfach selber Philosophin,
um mit dem Typ zusammenkommen zu können, was auch ganz gut
funktioniert, bis... Aber ich will hier ja nicht das gesamte
Buch nacherzählen.
Fazit: Sehr witziges Buch ohne jeglichen Anspruch, ideal
für eine 1 ½ - 2-stündige Bahnfahrt geeignet.
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